Ash Williams - Der kultigste Held der Horrorfilm-Geschichte


Bruce Campbell als Ash Williams in Armee der Finsternis
© Universal Pictures
Bruce Campbell als Ash Williams in Armee der Finsternis
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Bruce Campbell nur auf seine Rolle als männliche Scream Queen Ashley J. Williams in der Evil Dead-Reihe zu reduzieren, würde dem Mann Unrecht tun. Dennoch sind er und seine berühmteste Figur zweifelsohne untrennbar miteinander verbunden. Als Horror-Protagonist genießt Ash nämlich vor allem dank seines Schauspielers eine Sonderstellung im Genre-Kosmos. Traditionell steht bei einer Horrorfilmreihe immer die Figur im Mittelpunkt, von der der Horror ausgeht, sprich Freddy Krueger in der Nightmare-Reihe, der Candyman in den Candyman-Filmen oder Michael Myers in Halloween. Die Evil Dead-Filme auf der anderen Seite leben von ihrem leidgeprüften Helden, der immer mehr zur Hauptattraktion wird, je weiter die Reihe fortschreitet. Im Rahmen unseres Themenspecials Angst, Schrecken, Panik - Horror-Monat 2018 wollen wir Ash als eine der kultigsten Figuren der Horrorfilm-Geschichte würdigen.

Tanz der Teufel - Die Geburtsstunde von Ash Williams

Konzipiert wurde die Figur von Sam Raimi, der mit dem No-Budget-Horrorschocker Tanz der Teufel (The Evil Dead) von 1979 bis 1981 an seinem bis dato ambitioniertesten Projekt arbeitete. Campbell, ein Jugendfreund Raimis, der gemeinsam mit diesem und Kumpel Rob Tapert bereits seit dem Kindesalter Filme drehte, übernahm darin die Rolle des Ash. Dieser war angelegt als passiver Feigling, der den Angriff der vom Necronomicon, dem Buch der Toten, beschworenen Deadites nur durch Glück bis zum Schluss überlebt, dann aber offscreen von einer dämonischen Entität ergriffen und scheinbar getötet wird. Campbell, dessen schauspielerisches Talent damals noch stark zu wünschen übrig ließ, zeichnete sich durch Willenskraft und Durchhaltevermögen aus und begleitete die Produktion, anders als der Rest des Casts, eisern bis zum Schluss. Gemeinsam schufen die Freunde mit wenig Geld und gegen alle Widerstände des Universums einen Horror-Klassiker, der in erster Linie von seiner innovativen Effekt- und Kameraarbeit lebt.

Auch wenn Ash in seiner ersten Iteration noch kaum bemerkenswerte Charakterzüge aufweist, lernen wir doch einige wichtige Eckdaten der Figur: Er unternimmt den Ausflug zu der Waldhütte, weil er sich davon einen romantischen Urlaub mit seiner Freundin Linda (Betsy Baker) und eine schöne Zeit mit Kumpel Scotty und dessen besserer Hälfte erwartet. Allerdings ist ihm seine Schwester Cheryl (Ellen Sandweiss), die er widerwillig mitgenommen hat, dabei ein Klotz am Bein. Cheryl, Linda und Scotty fallen im Lauf der Handlung dem Bösen zum Opfer, Ash ist am Ende der einzige Überlebende.

Tanz der Teufel 2 - Der Camp(bell)-Faktor

Wirklich interessant wird Ash Williams dann erst in Tanz der Teufel 2 - Jetzt wird noch mehr getanzt. Dieser fängt aufgrund der konfusen Rechtelage des Franchise wieder bei Null an und konzentriert sich statt auf eine Gruppe Freunde erst einmal nur auf Ash und Linda (jetzt gespielt von Denise Bixler). Ashs Persönlichkeit ist um einiges dominanter als noch in Teil eins. Er ist zwar immer noch derselbe Schreihals, wirkt aber eher wie ein schmieriger Macho als ein zurückhaltendes Sensibelchen.

Auch Campbell als Performer hat zwischen den Filmen eine 180-Grad-Wandlung gemacht. Wenn das Böse über das junge Pärchen hereinbricht, spielt der junge Schauspieler auf, als gäbe es kein Morgen. Seine Wandlung vom Möchtegern-Casanova zum nervlichen Wrack ist eine wahre Schau. Ungefähr zur Mitte des Films wird Ash dann zum Sprüche klopfenden Actionhelden und bietet dem Bösen erstmals einen ebenbürtigen Gegner. Der Ton des Films schwankt durch die oft urkomischen Gefühlsausbrüche Campbells zwischen grauenerregend und gnadenlos campy. Ein schwieriger Balanceakt, der mittlerweile das Markenzeichen des Franchise geworden ist. Vor allem die Szene, in der sich Ash seine eigene Hand absägt und diese dann mit einer Kettensäge ersetzt, ist eine meisterliche Mischung aus grauenerregendem Horror und groteskem Looney Tunes-Humor.

Armee der Finsternis - Der prophezeite Held, der keiner ist

Für Teil drei, der ursprünglich The Medieval Dead heißen sollte, verschlägt es Ash durch ein Portal ins finstere Mittelalter, wo er als prophezeiter Auserwählter gefeiert wird. Dort stellt er sich nach anfänglicher Befehlsverweigerung an der Seite von König Artus der namensgebenden Armee der Finsternis. Wo Teil 2 zumindest oberflächlich noch nach den Regeln eines Horrorfilms funktionierte, schmeißt Teil 3 jegliche Vorgaben über Bord und verlegt Ash und die Handlung in einen Abenteuerfilm, der daherkommt wie eine Mischung aus Spartacus, Three Stooges und Ray Harryhausens Jason und die Argonauten.

Ash wird hier endgültig zur Kultfigur stilisiert, durch Sam Raimis verspielte Inszenierung wirkt der Film streckenweise fast wie ein Live-Action-Cartoon. Wo Campbell im Vorgänger noch mehr durch Geschrei als durch coole One-Liner kommunizierte, haut er in Armee der Finsternis einen Spruch nach dem anderen raus. "Hail to the King, Baby" und "This is my BOOMstick!" sind für Fans über die Jahre zu Catchphrases geworden, ebenso legendär ist Ashs Unfähigkeit, sich an die magischen Worte Klaatu Barada Nikto zu erinnern. Unfähigkeit ist allgemein ein Merkmal, das Ash als Figur definiert. Statt wie andere Horror-Protagonisten für seine herz- oder hirnlosen Taten mit dem Tod bestraft zu werden, darf Ash leben, seine Lektion lernen und am Ende zu dem Helden werden, für den er sich insgeheim ohnehin schon immer gehalten hat.

Ash Vs Evil Dead - ein kleines TV-Wunder

2015 ging Ash, der seit seinem letzten Auftritt in Armee der Finsternis in zahlreichen Comics, Videospielen und sogar kurz am Ende der Credits des Fede-Alvarez-Remakes auftauchte, in Serie. Raimi, Tapert und Campbell kehrten nach einer halben Ewigkeit zu ihrem wohl beliebtesten Franchise zurück - und mit ihnen Horror und Blutfontänen. Die Starz-Serie Ash vs Evil Dead ist ein anarchischer Traum für Fans und gewährt Ash den finalen Abschied, den er verdient. Auch wenn sich der Tunichtgut in den letzten 30 Jahren wenig bis gar nicht weiterentwickelt hat, sein Schauspieler hat es durchaus.

Campbell gewinnt seiner Kultfigur trotz Stagnation neue (zunehmend erbärmliche) Facetten ab und stürzt sich kopfüber in die tragische Seite von Ashs Persönlichkeit, ohne dabei der Serie auch nur eine Sekunde den Spaß zu nehmen. Serien-Ash, ein Relikt aus einer anderen Ära, muss sich erneut den Mächten des Necronomicon und damit dem Schicksal stellen, dem er sein Leben lang entfliehen wollte. Dass alles um ihn herum stirbt, während er überlebt, ist an diesem Punkt schon so etwas wie Routine für ihn, die Verluste in Ash vs Evil Dead kommen jedoch schmerzhafter und unerwarteter als je zuvor. Mit seinen jungen Mitstreitern Kelly (Dana DeLorenzo) und Pablo (Ray Santiago) hat Ash zudem so etwas wie eine Ersatz-Familie, um die er fürchten muss, in Staffel 3 bekommt er mit der sturköpfigen Brandy (Arielle Carver-O'Neill) auch noch eine leibliche Tochter zur Seite gestellt. Außerdem verarbeitet er die zerbrochene Beziehung zu seinem eigenen Vater (Lee Majors) und den Tod seiner Schwester Cheryl (Rückkehrerin Ellen Sandweiss).

Am Ende der Serie verabschieden wir uns dann endgültig von unserem Helden mit der Gewissheit, dass, wann immer es etwas Böses zu bekämpfen gibt, Ash Williams der Mann sein wird, der sich dieser Aufgabe annimmt. Mit einem Lächeln im Gesicht, dem Fuß auf dem Gaspedal und Deep Purple im Kassettenfach. Ein würdiges Ende für einen einzigartigen Helden der Filmgeschichte.

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