Deutschlands Lieblingskino 2018

Als Gruppe ins Kino zu gehen ist ja wohl das Beste überhaupt


Gemeinsame Kinobesuche: 500 Days of Summer
© 20th Century Fox
Gemeinsame Kinobesuche: 500 Days of Summer
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"I am what I am and I do what I can."

Der Kinobesuch ist für mich auch als jahrzehntelanger Kinogängerin eine besondere Unternehmung, die sich vollkommen vom heimischen Couch-Gelümmel oder gar dem frevelhaften Laptop-Schauen unterscheidet. Das ist auch im Jahr von Deutschlands Lieblingskino 2018, in dem wir alle aktiv unsere Stimme für unser #lieblingskino2018 abgeben, nicht anders. Letztens erzählte mir jedoch jemand, dass er am liebsten allein ins Kino geht, was mich schon sehr erstaunte. Auch wenn ich nicht abstreiten will, dass ich durchaus regelmäßig ohne Begleitung im Kinosaal sitze, wenn sich niemand sonst für einen Film interessiert, den ich aber unbedingt sehen will. Das kultivierte Großleinwandschauen bereitet mir aber definitiv am meisten Freude, wenn es als Kinogang in Gruppe oder mindestens zu zweit stattfindet. Denn ja: Für das bessere Kinoerlebnis in Gesellschaft gibt es meiner Meinung nach viele gute Gründe.

Davor: Der Kinobesuch als gemeinsame Unternehmung

Der Spaß am geteilten Kinoabstecher, den ich gemeinsam mit Freunden, Familienmitgliedern oder anderen Bekannten habe, beginnt schon weit im Voraus: mit der geteilten Vorfreude. Dass meine Begleiter sich genau wie ich auf den Kinostart des Films freuen und darüber hinaus sogar gewillt sind, jenseits von Streaming und Co. dafür Geld auszugeben, bestätigt auf angenehme Weise unseren geteilten Filmgeschmack. Ist die nicht zu unterschätzende Hürde eines gemeinsam gefundenen Termins erst einmal als Planung gemeistert, steht dem Entgegenfiebern nichts weiter im Weg (von der rechtzeitigen Kartenreservierung vielleicht einmal abgesehen).

Wenn der gemeinsame Kinogang dann sein Datum gefunden hat, erhält der Kinobesuch für mich einen "Ausgeh-Status". Soll heißen: Ich bleibe nicht allein mit einer DVD oder vor dem Fernseher zu Hause, sondern breche tatsächlich auf - nach draußen, mit einem Ziel vor Augen, zu dem ich mich allein vielleicht nicht aufgerafft hätte. Der Kinogang präsentiert sich dabei als idealer Anlass zur Verabredung mit Freunden. Der Film erleichtert mir die Entscheidung, mühsam auszuwählen, was wir denn Aufregendes tun könnten, um sich mal wiederzusehen. Statt Worte kauend in einer Bar zu sitzen, ist das Kino eine echte Unternehmung und bietet dennoch die Gelegenheit, beim Zusammentreffen vor dem Kartenkauf noch zu hören, was im Leben der anderen in letzter Zeit so los war. Vielleicht bringt sogar jemand einen noch unbekannten Freund mit und neue Bekanntschaften entstehen.

Und apropos Kartenkauf: Wer schon einmal mit einer mehrköpfigen Gruppe den überforderten Kassenmenschen mit einzeln zahlenden Zuschauern im selben Film, aber trotzdem nebeneinander sitzenden Besuchern, die möglichst alle noch einzelne Vergünstigungs-Sterne-Sammel-Rabatt-Bonus-Karten haben, in den Wahnsinn getrieben hat, der weiß um den Unterhaltungswert davon. Außerdem bin ich durch die Überredungskunst meiner Freunde schon oft genug in den Genuss von so manchem großartigen Film gekommen, auf den ich allein vermutlich nicht aufmerksam geworden wäre.

Dabei: Das geteilte Dunkel als Lichtmoment im Kino

Nun könnte der weniger zum Kino-Herdentier neigende Zuschauer argumentieren, dass das Filmschauen, trotz zusammengepferchter Zuschauerschaft, an sich ja keine besonders soziale Sache ist. Denn wenn das Licht erlischt und der Film beginnt, verharre ich beim Kinobesuch die meiste Zeit nur still in meinem Sitz, ohne mit meinen Freunden zu interagieren, was eine Begleitung theoretisch gleichgültig macht. Doch für mich ist das eine Fehlannahme. Zwar will ich niemanden neben mir, der mich während des Films ständig von der Seite vollquatscht und damit den Filmgenuss schmälert, aber es macht im Dunkel durchaus einen Unterschied, wen ich neben mir habe: einen Bekannten oder einen Wildfremden.

Zunächst einmal wirkt sich der Vorteil des gemeinsamen Kinobesuchs kulinarisch mit geteilten Süßigkeiten und Popcorn aus. Darüber hinaus würde ich mit einem Fremden neben mir gewiss nicht über schlechte Werbung lästern, die zig-mal gehörte Eiswerbung mitsummen oder unter den Trailern schon die nächsten gemeinsamen Kinobesuche erspähen. Außerdem ist während des Kinofilms das Mitfiebern in Gruppe weitaus leichter als allein: Wenn jemand Bekanntes neben mir über einen Witz im Film kichert, fühle auch ich mich befreiter, mein andernfalls unterdrücktes Lachen einfach herauszulassen. Auch das gemeinsame Jump-Scare-Zusammenzucken beim Horrorgenuss erhält plötzlich einen erstrebenswerten Synchronsport-Charakter. Und wenn im befreundeten Nachbarsitz leise schnäuzend ein Taschentuch gezückt wird, kann auch ich den Tränen freieren Lauf lassen. Gefühle mit Gleichgesinnten zu teilen, die ich kenne und die in meinem unmittelbaren Sitzumfeld mit minimalen Geräuschen und Bewegungen Anteil nehmen, lässt mich einen Film viel intensiver erfahren.

Danach: Gruppen-Kino als Schwelgen, Auswerten und Erinnern

Ist der Kinofilm dann vorüber, bietet eine begleitende Freundesgruppe außerdem sofort die einmalige Gelegenheit, etwaige Unklarheiten durch eine gemeinsame Auswertung des Gesehenen auszuräumen, Meinungen auszutauschen oder einfach nur die besten Szenen noch einmal Revue passieren zu lassen. Das kann ungeahnte Mehrwerte mit sich bringen: So hasste ich zum beispiel Denis' Villeneuves Enemy, als der Abspann anlief, aber nachdem ich den Film auf dem gesamten Nachhauseweg mit einem Freund diskutiert, erläutert und mit gegenseitig hilfreichen Erklärungen versehen hatte, erreichte ich mein Heim mit der komplett umgekrempelten Meinung, gerade einen genialen Film gesehen zu haben. Das war nur durch ein in der Gruppen-Diskussion angeregtes weiterführendes Nachdenken möglich, die mir mit anderen Sichtweisen neue Facetten aufzeigte.

Darüber hinaus weiß ich durch den besonderen Ereignischarakter des Kinobesuchs fast immer, mit wem ich einen Film einst gesehen habe - und so ist ein gemeinsames Zurückerinnern auch Jahre später noch möglich. Viele dieser mentalen Andenken trage ich auch heute noch gerne mit mir herum, um sie zu passender Gelegenheit im entsprechenden Freundeskreis wieder hervorzuholen.

Unter viel Gelächter erinnern wir uns zum Beispiel immer noch gerne daran, wie ich einmal die extra im Vorfeld gekauften Kinotickets zuhause vergaß und deshalb in Tour-de-France-Geschwindigkeit mit meinem Fahrrad während der Werbevorschau halb Berlin durchquerte. Auch das unbeabsichtigt tränenreiche Jalapeños-Essen im Kinosessel, die während der Herr der Ringe-Vorführung versehentlich durch einen Notausgang statt zur Toilette verschwundene Freundin und die zahllosen gemeinsam durchgestandenen schlechten Sneak-Preview-Besuche à la Nacktschnecken und 1968 Tunnel Rats sind echte Dauerbrenner, die zugleich die damit verbundenen Filme unvergesslich machen. Ich glaube fest: Derart bleibende Kinoerfahrungen sind vor allem deshalb möglich, weil ich in der Gruppe ins Kino gegangen bin.

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